Christiane Birr

Fotografie

Das Streicheln des Lichts. Schwarzweißes Träumen mit dem Ennaston 135mm/3.5

Schatten auf Bauzäunen, Pflanzen, die sich in den betonierten Weiten der Stadt hartnäckig halten und der Sonne entgegenwachsen, Fenster und ihre Scherben und das Gesicht eines Wartenden, vom Licht für einen flüchtigen Moment zärtlich gestreichelt.

Von dem amerikanischen Fotografen und Autor David DuChemin habe ich die Anregung "Show me six" übernommen – die scheinbar schlichte Aufgabe, sechs Bilder zu einer kleinen Serie zusammenzustellen. Zu einem Thema, wie immer das auch aussehen mag: die sechs Momente eines Tages, die sich ins Herz eingeprägt haben, sechs Gesichter eines Ortes im Wandel der (Jahres)Zeiten, sechs Facetten einer Farbe, sechs Bilder von Liebe, von Langeweile, vom Großstadtleben … alles ist möglich. Entscheidend ist der Blick auf die Serie, den inneren roten Faden zwischen den Bildern, der sie aus der Masse des digitalen Fotoarchivs hervorhebt.

Ein Ansatzpunkt, den ich manchmal mag, wenn meine Kreativität äußere Hilfsmittel braucht, ist die Suche nach sechs Bildern, die mit ähnlichen oder gleichen technischen Voraussetzungen gemacht wurden. Zum Beispiel mit demselben Objektiv. – Seit ich für mich vor einigen Jahren die Möglichkeit entdeckt habe, alte Objektive mit M42-Anschlüssen per Adapter an meine Fuji XT-30 zu setzen und damit den manuellen Spaß aus manuellen Zeiten und die Möglichkeiten der digitalen Dunkelkammer zu verbinden, suche ich ab und an nah alten „Schätzchen“. Zu viel kosten dürfen sie nicht, denn mehr als ein Spiel ist es nicht, aber ich freue mich über ihre Eigenheiten, optischen Macken und das Flair, das sie den Bildern unausweichlich geben. Eines meiner Vintage-Objektive ist das in den 1960er Jahre gebaute Ennaston 135mm/3.5.

Es ist für eine Telebrennweite erstaunlich klein und leicht – ein großer Pluspunkt für mich! Gestochene Schärfe ist nicht seine Sache, sondern er produziert Bilder mit einer weichen, träumerischen Anmutung. Ab und an gehe ich mit ihm durch die Stadt und freue mich an der anderen Sichtweise auf den modernen Alltag, der durch diese Linse gar nicht mehr so modern aussieht. Besonders nicht in Schwarzweiß.