Christiane Birr

Fotografie

Papier

Wir leben und arbeiten längst ebenso sehr in der digitalen wie in der realen Welt. Der wachsenden Erwartung, möglichst alle verfügbaren Informationen zu jedem Thema im Internet zu finden, tragen Bibliotheken mit ehrgeizigen Digitalisierungsprojekten Rechnung. Zum dritten Mal in der Geschichte Europas, nach der Erfindung des Buches in der Spätantike und des Buchdrucks mit beweglichen Lettern zu Beginn der Neuzeit, muß das überlieferte Wissen einen medialen Flaschenhals passieren: Was nicht in das neue digitale Medium, in Online-Bibliotheken und digitale Repositorien überführt wird, droht, in die Vergessenheit abzusinken.

Traditionelle Haptik weicht universalem Zugriff, und noch ist kaum abzusehen, wie dieser Wandel unser Denken, Argumentieren, Lernen und Bewahren in der digitalen Welt verändern wird. Sicher ist nur: es wird sich verändern.

In diesem Wandel wird Papier seine Bedeutung als massenhaftes Trägermedium von Informationen verlieren, so wie Papyrus und Pergament vor ihm. Verschwinden aber wird es nicht, sondern sich weiterentwickeln: als Luxusgegenstand, als Material für Künstler und als Suchtstoff für Bibliophile.

Das Projekt "Papier" spürt diesem medialen Wandel nach: der Faszination alter Bücher und ihrer Konservierung ebenso wie ihrer Übersetzung in das digitale Universum, in denen neue Leser sie erwarten.

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